Finanzen und Recht
Nicht jeder Nachlass ist ein Gewinn: Kredite, offene Rechnungen oder ein sanierungsbedürftiges Haus können ein Erbe zum Risiko machen. Hier erfahren Sie, welche Fristen gelten, welche Optionen Sie haben und wie die Nachlassverwaltung Ihr Privatvermögen schützt.
Frist
6 Wochen zur Ausschlagung, 6 Monate bei Auslandsbezug
Ziel
Haftung auf den Nachlass beschränken
Antrag
Beim Nachlassgericht, von allen Erben oder von Gläubigern
Kosten
Der Verwalter wird aus dem Nachlass bezahlt
Sobald Sie erfahren, dass Sie Erbe sind, beginnt die Frist. Ob ein Testament vorliegt oder die gesetzliche Erbfolge gilt, spielt keine Rolle: Nach § 1944 BGB haben Sie sechs Wochen Zeit, das Erbe auszuschlagen. Lebte der Erblasser zuletzt im Ausland oder halten Sie sich bei Fristbeginn im Ausland auf, beträgt sie sechs Monate. Tun Sie nichts, gilt das Erbe als angenommen.
Viele nehmen die Erbschaft versehentlich an, indem sie sich wie ein Erbe verhalten. Welche Handlungen dazu zählen können, zeigt der nächste Abschnitt.
Kein Rechtsrat
Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Fristen sind streng, lassen Sie Ihren Fall zeitnah prüfen. Stand: September 2026.
Vermeiden Sie vor einer Beratung diese Handlungen:
Geld vom Konto des Verstorbenen abheben oder überweisen.
Mietwohnung oder Verträge des Verstorbenen kündigen und den Haushalt auflösen.
Hausrat, Schmuck oder das Auto verkaufen oder verschenken.
Wer einen Erbschein beantragt, nimmt das Erbe an.
Entwarnung: Wer die Beerdigungskosten aus eigener Tasche bezahlt, nimmt das Erbe dadurch in der Regel noch nicht an. Nach einer schlüssigen Annahme ist eine spätere Ausschlagung oft nicht mehr möglich.
Welches Instrument passt, hängt von der Lage ab. Die Übersicht:
Kompletter Verzicht, maximaler Schutz vor Schulden. Sie erhalten aber nichts, auch keine Erinnerungsstücke.
Trennt die Vermögen: Sie haften nur mit dem Nachlass, Privatvermögen bleibt sicher, Überschuss wird ausgezahlt. Das Gericht muss zustimmen, Kosten trägt der Nachlass.
Notwendig, wenn Schulden das Vermögen übersteigen. Bei Überschuldung müssen Erben unverzüglich Insolvenz beantragen (§ 1980 BGB), sonst können sie haften.
Schafft Zeit und Überblick, schützt allein aber nicht dauerhaft vor dem Zugriff der Gläubiger.
Mit der Nachlassverwaltung (§ 1975 BGB) wird der Nachlass vom Privatvermögen des Erben getrennt. Ein vom Nachlassgericht bestellter Verwalter sammelt das Vermögen ein, bezahlt die Gläubiger und zahlt einen etwaigen Überschuss an die Erben aus. Ihr eigenes Vermögen bleibt vor den Nachlassschulden geschützt.
Den Antrag stellen die Erben beim Nachlassgericht, bei einer Erbengemeinschaft nur gemeinsam. Auch Nachlassgläubiger können sie beantragen, wenn ihre Forderungen durch das Verhalten der Erben gefährdet sind (§ 1981 BGB). Die Kosten von Gericht und Verwalter werden aus dem Nachlass bezahlt. Reicht der Nachlass dafür nicht aus, lehnt das Gericht die Anordnung ab (§ 1982 BGB).
Wann sich die Nachlassverwaltung lohnt
Sinnvoll ist sie, wenn Sie Vermögen im Nachlass vermuten, aber unsicher sind, ob es die Schulden deckt, oder wenn der Nachlass kompliziert ist, etwa bei Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder vielen Gläubigern. Bei erkennbar überschuldetem Nachlass ist meist die Ausschlagung einfacher.
Das Gesetz gibt Erben mehrere Einreden, mit denen sie den Zugriff auf das eigene Vermögen abwehren können.
Reicht der Nachlass nicht einmal für die Kosten einer Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz, dürfen Sie Gläubiger abweisen (§ 1990 BGB). Sie müssen den Nachlass dann zur Vollstreckung herausgeben.
In den ersten drei Monaten nach Annahme der Erbschaft dürfen Sie die Begleichung von Nachlassschulden verweigern (§ 2014 BGB). So gewinnen Sie Zeit für den Überblick.
Schlägt ein Elternteil aus, rücken oft die Kinder nach (§ 1953 BGB). Eltern müssen für minderjährige Kinder gesondert ausschlagen, teils mit Genehmigung des Familiengerichts.
Fristen, Formvorschriften und Haftungsfragen sind eng verzahnt. Ein Fachanwalt für Erbrecht prüft, ob Ausschlagung, Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz für Sie besser ist, und begleitet die Anträge beim Nachlassgericht. Wenden Sie sich möglichst früh an die Rechtspartner von aboelo.
Was kostet eine Nachlassverwaltung?
Es fallen Gerichtsgebühren und die Vergütung des Verwalters an. Beides wird aus dem Nachlass bezahlt. Die Höhe hängt vom Umfang und vom Wert des Nachlasses ab.
Kann ich die Nachlassverwaltung auch später beantragen?
Ja. Erben können den Antrag auch nach Annahme der Erbschaft stellen, sofern sie noch nicht unbeschränkt haften. Lassen Sie das früh von einem Fachanwalt prüfen.
Wie schlage ich eine Erbschaft aus?
Die Ausschlagung erklären Sie zur Niederschrift beim Nachlassgericht oder in öffentlich beglaubigter Form über einen Notar (§ 1945 BGB). Ein Anwalt ist nicht vorgeschrieben. Die Frist beträgt sechs Wochen ab Kenntnis vom Erbfall und vom Grund der Berufung.
Was passiert mit einer geerbten Immobilie bei Ausschlagung?
Die Ausschlagung gilt für den gesamten Nachlass, also auch für die Immobilie. Sie können nicht das Haus behalten und die Schulden ausschlagen. Wünschen Sie das Haus, sind Nachlassverwaltung oder Inventarerrichtung Alternativen.
Muss ich die Beerdigung bezahlen, wenn ich ausschlage?
Die Bestattungspflicht richtet sich nach Landesrecht und trifft oft nahe Angehörige unabhängig von der Erbschaft. Klären Sie Kostenerstattung und mögliche Sozialhilfe mit einer Beratung.
Ein Fachanwalt hilft bei Ausschlagung, Nachlassverwaltung und Nachlassinsolvenz.