Pflege und Betreuung

Außerklinische Intensivpflege: Anspruch, Kosten und Intensivpflege-WG

Die außerklinische Intensivpflege versorgt Menschen mit besonders hohem medizinischem Pflegebedarf außerhalb des Krankenhauses, zu Hause, in einer Wohngemeinschaft oder in einer Einrichtung. Hier lesen Sie, wer Anspruch hat, wer zahlt und welche Wohnformen es gibt.

Das Foto zeigt eine ältere, bettlägrige Person in der Intensivpflege.

Grundlage

§ 37c SGB V, Verordnung durch qualifizierte Ärzte

Kostenträger

Die Krankenkasse, nicht die Pflegekasse

Orte

Zu Hause, Wohneinheit oder Pflegeeinrichtung

Eigenanteil

Zuzahlung, dazu Miete und Verpflegung

Was ist außerklinische Intensivpflege?

Intensivpflege ist eine Pflegeform für Schwerstpflegebedürftige, bei denen jederzeit eine lebensbedrohliche Situation eintreten kann, deren Zeitpunkt sich nicht vorhersagen lässt. Das betrifft zum Beispiel Menschen, die beatmet werden oder eine Trachealkanüle haben, aber auch Menschen mit COPD oder ALS. Viele Betroffene haben Pflegegrad 4 oder 5.

Die außerklinische Intensivpflege ist seit dem 31. Oktober 2023 als eigener Leistungsbereich in § 37c SGB V geregelt. Sie umfasst Grundpflege und medizinische Behandlungspflege und schließt an Krankenhaus und Reha an.

Anspruch und Verordnung

Anspruch haben Versicherte mit besonders hohem Bedarf an medizinischer Behandlungspflege. Drei Punkte sind wichtig:

1

Ständige Anwesenheit

Es ist die ständige Anwesenheit einer geeigneten Pflegefachperson zur individuellen Kontrolle und Einsatzbereitschaft erforderlich.

2

Ärztliche Verordnung

Die Leistung verordnet ein besonders qualifizierter Vertragsarzt. Die erste Verordnung erfolgt oft im Krankenhaus oder in der Reha.

3

Potenzial prüfen

Bei Beatmung oder Trachealkanüle wird erhoben und dokumentiert, ob die Beatmungszeit verkürzt oder die Beatmung ganz beendet werden kann.

Ihre Wünsche zählen

Berechtigten Wünschen zum Ort der Versorgung ist zu entsprechen, sofern die medizinische Versorgung dort sichergestellt ist. Sie werden bei der Auswahl des geeigneten Leistungsortes beraten, zum Beispiel von der Krankenkasse oder der Pflegeberatung.

Wo findet Intensivpflege statt?

Die Versorgung kann an drei Orten erfolgen. Ihre Wahl hängt von Erkrankung, Lebensumständen und Wunsch ab:

Zu Hause

Im eigenen Haushalt oder in der Familie. Die Versorgung rund um die Uhr belastet Angehörige jedoch stark.

Intensivpflege-WG

Eine Wohneinheit, in der mehrere Menschen mit Intensivpflegebedarf leben, jeder mit eigenem Zimmer. Ein ambulanter Pflegedienst versorgt sie. Bei dauerhafter Beatmung gibt es spezielle Beatmungs-WGs.

Pflegeeinrichtung

Eine vollstationäre Pflegeeinrichtung oder eine Einrichtung nach § 43a SGB XI, wenn die Versorgung dort besser sichergestellt ist.

In der Intensivpflege-WG mieten Sie ein Zimmer, teilen sich Gemeinschaftsräume und richten es mit eigenen Möbeln ein. Angehörige und Bewohner organisieren den Alltag gemeinsam, oft mit Mitbewohnervereinbarungen. Der Pflegedienst ist Gast und pflegt nach Bedarf. Im Pflegeheim ist der Alltag dagegen stärker der Pflege untergeordnet.

Nicht mit der normalen Pflege-WG verwechseln

Eine Pflege-WG ist für Pflegebedürftige gedacht, die tagsüber eine Präsenzkraft brauchen. Nur in spezialisierten WGs wie der Intensivpflege-WG ist in der Regel rund um die Uhr eine Pflegefachkraft anwesend. Ein Pflegeheim finden Sie im Ratgeber Seniorenresidenz und Pflegeheim.

Leistungen: Behandlungspflege rund um die Uhr

Die Intensivpflege umfasst Grundpflege und medizinische Behandlungspflege. Die Pflegefachkräfte verfolgen drei Ziele:

Vitalfunktionen sichern

Sie überwachen Atmung und Herz-Kreislauf-Funktionen und bedienen Beatmungs-, Absaug- und Inhalationsgeräte.

Komplikationen verhindern

Sie erkennen und verhindern lebensbedrohliche Situationen, bevor sie eskalieren.

Veränderungen früh erkennen

Sie bemerken Veränderungen des Gesundheitszustands frühzeitig und informieren die Ärzte.

Bei Beatmung oder Trachealkanüle prüfen Ärzte mit jeder Verordnung das Potenzial zur Beatmungsentwöhnung. Auch wer nicht rund um die Uhr Intensivpflege braucht, kann Anspruch haben.

Kosten der Intensivpflege: Wer zahlt was?

Die Behandlungspflege bezahlt die Krankenkasse. Sie tragen einen Teil selbst:

Krankenkasse

Sie trägt die Kosten der ärztlich verordneten außerklinischen Intensivpflege.

Zuzahlung

Erwachsene leisten eine gesetzliche Zuzahlung nach § 61 SGB V, begrenzt auf 28 Kalendertage im Jahr. Ihre Krankenkasse nennt die Höhe für Ihre Wohnform.

Miete und Verpflegung

In einer Wohngemeinschaft zahlen Sie Miete, Nebenkosten und Lebensmittel wie in jeder Mietwohnung selbst.

Belastungsgrenze

Zuzahlungen gelten nur bis zu einer Belastungsgrenze von 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen, bei chronisch Kranken 1 Prozent. Wie sich Leistungen der Pflegeversicherung anrechnen, klären Sie mit Ihrer Kranken- und Pflegekasse. Bei der Orientierung hilft die Pflegeberatung.

Quelle: § 37c SGB V. Stand: September 2026.

Häufige Fragen zur Intensivpflege

Wer hat Anspruch auf außerklinische Intensivpflege?

Versicherte mit besonders hohem Bedarf an medizinischer Behandlungspflege, bei denen die ständige Anwesenheit einer geeigneten Pflegefachperson erforderlich ist. Ein besonders qualifizierter Vertragsarzt verordnet die Leistung und bespricht mit Ihnen das Therapieziel.

Wie wird Intensivpflege beantragt?

Grundlage ist die ärztliche Verordnung, die Sie bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Die erste Verordnung erfolgt oft im Krankenhaus oder in der Reha, damit die Versorgung nahtlos weitergeht.

Welche Orte kommen für die Versorgung infrage?

Der eigene Haushalt oder die Familie, eine Wohneinheit wie die Intensivpflege-WG oder Beatmungs-WG oder eine Pflegeeinrichtung. Ihren berechtigten Wunsch zum Ort berücksichtigt die Krankenkasse, sofern die medizinische Versorgung dort sichergestellt ist.

Ist die Versorgung in der WG besser als im Pflegeheim?

Das hängt vom Einzelfall ab. In der WG haben Sie ein eigenes Zimmer, mehr Mitbestimmung und ein familiäres Umfeld. Ein Pflegeheim kann sinnvoll sein, wenn die Versorgung dort besser sichergestellt ist. Lassen Sie sich beraten und besichtigen Sie mehrere Angebote.

Was zahlt die Pflegekasse bei Intensivpflege?

Die Behandlungspflege bezahlt die Krankenkasse. Zusätzlich können Leistungen der Pflegeversicherung wie Pflegegeld zustehen, je nach Wohnform und Anrechnung. Klären Sie das mit Ihrer Kranken- und Pflegekasse. Ein Anspruch auf Pflegeleistungen setzt einen Pflegegrad voraus.

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