Finanzen und Recht
Ohne Testament entscheidet das Gesetz, wer erbt. Hier erfahren Sie, welche Formen es gibt, worauf Sie beim eigenhändigen Testament achten, welche Fallen das Berliner Testament hat und wie Sie Streit in der Familie vermeiden.
Formen
Eigenhändig oder notariell
Eigenhändig
Komplett handschriftlich, mit Ort, Datum und Unterschrift
Alter
Eigenhändig ab 18 Jahren, notariell ab 16
Verwahrung
Amtliche Verwahrung beim Amtsgericht
Ohne Testament greift das Erbrecht des BGB und verteilt das Vermögen nach Verwandtschaftsgrad. Das führt oft zu ungewollten Ergebnissen:
Wer ohne Trauschein zusammenlebt, erbt von Gesetzes wegen nichts, egal wie lange die Beziehung dauerte.
Kinder und Ehepartner erben gemeinsam. Das Haus gehört dann allen. Will einer verkaufen, ist Streit programmiert.
Stiefkinder sind gesetzlich nicht erbberechtigt und gehen ohne Testament leer aus.
Mit einem Testament setzen Sie diese Regeln außer Kraft, soweit der Pflichtteil es zulässt, und bestimmen selbst, wer was bekommt.
Kein Rechtsrat
Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Immobilien, größeren Vermögen oder komplizierten Familienverhältnissen sollten Sie einen Anwalt oder Notar hinzuziehen. Stand: September 2026.
Beide Formen sind rechtlich wirksam, haben aber unterschiedliche Vor- und Nachteile:
Kosten: kostenlos, abgesehen von Beratung
Form: vollständig handschriftlich, mit Ort, Datum und Unterschrift
Risiko: Formfehler und unklare Begriffe machen es leicht unwirksam
Erbschein: Erben brauchen meist einen Erbschein
Kosten: gebührenpflichtig, abhängig vom Vermögen
Form: vom Notar beurkundet, Computer erlaubt
Sicherheit: hohe Rechtssicherheit durch notarielle Prüfung
Erbschein: ersetzt ihn oft und spart den Erben Kosten
Wichtig beim eigenhändigen Testament
Ein am Computer getipptes und nur unterschriebenes Testament ist unwirksam. Eigenhändig testieren können nur Volljährige, Jugendliche ab 16 Jahren nur beim Notar. Sichern Sie das Testament, indem Sie es amtlich beim Amtsgericht verwahren lassen. Es wird dann im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer registriert und ist vor Fälschung und Unterdrückung geschützt. Für die Verwahrung fällt eine Gebühr an, deren Höhe Ihnen das Amtsgericht nennt.
Beim Berliner Testament setzen sich Ehepaare gegenseitig als Alleinerben ein. Die Kinder erben erst, wenn beide Eltern gestorben sind (Schlusserben). So ist der überlebende Partner abgesichert und muss das Haus nicht verkaufen. Vier Punkte sollten Sie kennen:
Im ersten Erbfall bleibt der Freibetrag der Kinder (400.000 € je Kind und Elternteil) ungenutzt. Bei großen Vermögen droht beim zweiten Todesfall eine hohe Erbschaftsteuer.
Die Kinder sind im ersten Erbfall enterbt und können sofort ihren Pflichtteil fordern. Das gefährdet die Absicherung des Partners.
Die Lösung: Wer im ersten Erbfall den Pflichtteil fordert, erhält auch im zweiten nur den Pflichtteil.
Nach dem Tod des ersten Partners kann der Überlebende das Testament oft nicht mehr ändern, auch nicht bei neuer Heirat oder Streit mit den Kindern.
Im Alltag wird oft alles vermischt („Ich vermache meinem Sohn das Haus“). Rechtlich ist der Unterschied groß:
Er tritt in Ihre Rechtsstellung ein und erhält das Vermögen, aber auch Schulden und Verträge. Er wickelt den Nachlass ab. Ist er überfordert, kann er eine Nachlassverwaltung beantragen, um sich vor eigener Haftung zu schützen.
Er hat nur Anspruch auf einen bestimmten Gegenstand oder Geldbetrag, etwa die Goldkette für die Nichte. Mit Schulden und Abwicklung hat er nichts zu tun. Nutzen Sie im Testament klare Begriffe.
Stirbt der Vater und vererbt alles der Stiefmutter, erben nach deren Tod ihre eigenen Kinder. Die Kinder des Vaters gehen leer aus. Mit Vor- und Nacherbschaft erhält die Partnerin das Vermögen nur auf Zeit, danach fällt es an die von Ihnen bestimmten Nacherben. Das ist komplex, daher am besten mit Anwalt oder Notar.
Zum Erbe gehören auch Krypto-Wallets, Cloud-Speicher, Social-Media-Konten und E-Mail-Postfächer. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2018 haben Erben grundsätzlich Zugang zu solchen Konten. Regeln Sie im Testament oder in einer Vollmacht, wer Zugriff bekommt, und hinterlegen Sie Zugangsdaten sicher, aber für Ihre Vertrauensperson auffindbar.
Kann ich mein Testament jederzeit ändern?
Ein Einzeltestament können Sie jederzeit widerrufen oder durch ein neues ersetzen. Es gilt das Testament mit dem jüngsten Datum. Bei einem gemeinschaftlichen Testament von Ehegatten ist eine einseitige Änderung nach dem Tod des Partners oft nicht mehr möglich.
Wo bewahre ich das Testament am besten auf?
Ein Testament, das nicht gefunden wird, ist wertlos. Am sichersten ist die amtliche Verwahrung beim Amtsgericht mit Eintrag im Zentralen Testamentsregister. Wenn Sie es zu Hause aufbewahren, sagen Sie einer Vertrauensperson, wo es liegt.
Ab wann ist man nicht mehr testierfähig?
Testierunfähig ist, wer die Tragweite seiner Entscheidungen nicht mehr erkennen kann, zum Beispiel bei fortgeschrittener Demenz. Bei Hochbetagten kann ein ärztliches Attest zur Testierfähigkeit, das dem Testament beiliegt, Streit vorbeugen.
Brauche ich Zeugen für mein Testament?
Beim normalen eigenhändigen Testament nicht. Sie schreiben und unterschreiben es allein. Das Drei-Zeugen-Testament ist ein Nottestament für Ausnahmesituationen wie Todesgefahr und nur kurz gültig.
Was kostet ein Anwalt oder Notar für das Testament?
Die Kosten richten sich nach dem Wert Ihres Vermögens. Beim Anwalt kann auch ein Pauschalhonorar vereinbart werden, der Notar rechnet nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz ab. Ein schlecht formuliertes Testament kostet die Erben oft ein Vielfaches durch Streit und Steuern. Mehr zum Anspruch enterbter Angehöriger im Ratgeber Pflichtteil.
Regeln Sie auch Ihre Gesundheitswünsche und lassen Sie sich zum Erbrecht informieren.