Glossar

Geriatrie

Die Geriatrie – auch Altersheilkunde genannt – ist die medizinische Fachdisziplin, die sich mit den körperlichen, geistigen und sozialen Aspekten von Erkrankungen im Alter befasst. Im Gegensatz zur klassischen Organmedizin steht in der Geriatrie der ganze Mensch im Mittelpunkt. Das Hauptziel ist nicht allein die Heilung einer spezifischen Krankheit, sondern der Erhalt der Selbstständigkeit und der Lebensqualität im Alltag.

Die ganzheitliche Medizin für das Alter

Ein geriatrischer Patient ist meist durch Multimorbidität gekennzeichnet. Das bedeutet, dass gleichzeitig mehrere chronische Erkrankungen vorliegen, zum Beispiel Diabetes, Herzschwäche und Gelenkverschleiß. Die Geriatrie berücksichtigt das komplexe Zusammenspiel dieser Leiden und deren Auswirkungen auf die Mobilität.

Die drei Säulen der Geriatrie:

Körperliche Gesundheit

Behandlung akuter und chronischer Leiden unter Berücksichtigung des Alters.

Geistige Fitness

Berücksichtigung von kognitiven Veränderungen oder emotionalen Belastungen.

Soziales Umfeld

Einbezug der Wohnsituation und der Unterstützung durch Angehörige.

Die „geriatrischen Syndrome“: Warnsignale erkennen

In der Altersmedizin spricht man oft von den „großen geriatrischen Syndromen“. Diese beschreiben Zustände, die meist nicht nur eine Ursache haben, sondern durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren entstehen. Wenn Sie oder Ihre Angehörigen diese Anzeichen bemerken, ist ein Geriater der richtige Ansprechpartner:

Immobilität und Instabilität: zunehmende Gangunsicherheit und eine erhöhte Sturzneigung, oft verbunden mit Angst vor dem Fallen.

Inkontinenz: unfreiwilliger Verlust von Urin oder Stuhl, was oft zu sozialem Rückzug führt.

Intellektueller Abbau: Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung oder plötzliche Verwirrtheitszustände (Delir).

Inanition (Mangelernährung): ungewollter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit oder Probleme beim Schlucken.

Sehen und Hören: die Einschränkung der Sinnesorgane, die Kommunikation und Sicherheit massiv beeinträchtigt.

Iatrogene Probleme (Polypharmazie): Neben- und Wechselwirkungen durch die gleichzeitige Einnahme zu vieler Medikamente.

Das geriatrische Assessment: Ihr persönlicher Fahrplan

Um ein umfassendes Bild zu erhalten, führen Geriater ein sogenanntes Assessment durch. Dabei werden standardisierte Tests genutzt, um verschiedene Fähigkeiten objektiv zu prüfen: Mobilität – wie sicher stehen und gehen Sie, etwa beim Aufstehen von einem Stuhl ohne Hilfe?

Kognition: Gibt es Anzeichen für eine Demenz oder Konzentrationsstörungen? Alltagskompetenz: Welche Aufgaben wie Waschen, Kochen oder Einkaufen können Sie noch selbstständig bewältigen?

Emotionen: Liegt eine Altersdepression vor, die oft fälschlicherweise für eine Demenz gehalten wird?

Das multidisziplinäre Team

In der Geriatrie arbeitet ein Arzt eng mit Experten anderer Fachrichtungen zusammen: Physiotherapie zur Förderung von Kraft und Balance, Ergotherapie, um alltägliche Handgriffe wieder sicher auszuführen, Logopädie bei Sprach- oder Schluckstörungen sowie der Sozialdienst zur Unterstützung bei Pflegegradanträgen oder Hilfsmittelversorgung.

Hinweis

Das Glossar erklärt Begriffe allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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